Netzwerk Stadtforen Mitteldeutschland

12. VERNETZUNGSTREFFEN DER STADTFOREN MITTELDEUTSCHLANDS

Niederschrift

(Gert Rehn)

Tag, Ort: 21.04.2018 im Forum für Baukultur Dresden, Wiener Straße

Teilnehmer (nur Sprecher bzw. Vertreter genannt)

Altenburg: Stadtforum A.; Peter Gzik

Chemnitz: Stadtforum C.; Michael und Maria Backhaus, Gert Rehn, Martin Steudtner

Dresden: Forum für Baukultur e.V., Susanne Reichle, Dr. Sebastian Storz, Lisa Mählmann

Dresden: stadtbilDD-das Korrektiv; Stefan Schiller

Dresden: Entwicklungsforum Dresden; Dr. Peter Bäumler, Rüdiger Dittrich

Dresden: Ges. Historischer Neumarkt Dresden; Jürgen Borisch

Dresden: ostmodern.org; entschuldigt

Dresden: industriekultur.de; Basti Dämmler; entschuldigt

Freiberg: Stadtforum F.; Dr. Rüdiger Wirth

Görlitz: Stadtforum Görlitz; Thomas Göttsberger: entschuldigt wegen Demos in Ostritz

Halle: Arbeitskreis Innenstadt e.V.; Marcel Naumann, Jürgen Engelhardt

Leipzig: Stadtforum L.; Wolfram Günther

Weimar: Prof. Dr. Heinz Schwarzbach

Zittau: Stadtforum Z.; Dr. Dragica Anderle, Matthias Böhm

Insgesamt haben 19 Personen teilgenommen.

Moderation: Wolfram Günther, Gert Rehn

Allgemeines

Beim 11. Vernetzungstreffen in Halle wurde als Veranstaltungsort für das 12. Treffen

Dresden angekündigt, aber es fehlte dort ein Organisator. Deshalb hat das Stadtforum

Chemnitz in Dresden einen Ort der Zusammenkunft gesucht. Dieser wurde dank der Hilfe

vom Forum für Baukultur durch Frau Reichle und Herrn Dr. Storz dort ermöglicht.

Die Räume entsprachen durch Banner, Modelle und Atmosphäre sehr gut unserem

Anliegen.

Tagesordnung

Diese wurde durch die Moderatoren vorgeschlagen und bei den Stadtforen angefragt, ob

entsprechende Beiträge möglich wären. Danach wurde das Programm aufgestellt und

ausgelegt.

Nachstehend wird der Ablauf des Treffens dargestellt. Die Niederschrift ist kein

Redeprotokoll und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Vorträge mögen deshalb

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und weil einige als Textbeiträge in der dritten Ausgabe des STADTFORUMs erscheinen

sollen, bis Ende Juli an Gert Rehn als Vertreter der Redaktion übermittelt werden.

Begrüßung durch Herrn Dr. Storz

Vorstellung der Teilnehmer

Vorträge

Dr. Sebastian Storz; Forum für Baukultur Dresden e.V.

„Das baukulturelle Erbe unserer Städte – ein lokales und zugleich europäisches Erbe!“

Die gegenwärtige Bildungspolitik ist geprägt durch die PISA-Vorgaben, welche vor allem

naturwissenschaftliche und kaufmännische Erziehung in den Vordergrund stellen. Es wird zu

wenig Zeit in den Schulen für Geschichte im Allgemeinen und speziell Baugeschichte

vorgesehen. Die Schüler verstehen die Zeitepochen ungenügend und Besonderheiten der

Stilepochen dementsprechend auch kaum. Deutschland produziert mehr und mehr

ausgebildete Ungebildete.

Es treten touristische Highlights, Events und oberflächliche Vergnügungen in den

Vordergrund. Dabei kann die Beschäftigung mit unserem kulturellen Erbe selbst zum

Vergnügen führen. Schon die Schüler müssen an eine gewissenhafte und interessante

Darstellung der Baukultur und der Künste herangeführt werden.

Die hemmungslose Kommerzialisierung unserer Städte führt zu Fehlentscheidungen in den

Ämtern. Zum Beispiel wird das Dynamo-Stadion rücksichtslos erweitert, um von derzeit

30000 Zuschauer dann 45000 aufzunehmen. Dabei wird der Große Garten vernachlässigt

und Parkplätze ebenso.

Die Erinnerungskultur bezüglich des 13. Februar 1945 wird in Dresden durch eine Sitzbank

verwirklicht, auf der Passanten ihren Imbiss einnehmen. Auf der Rückenlehne befindet sich

die Zahl der Opfer der Bombardierung!

Die Ruinierung der Plastiken im Großen Garten durch Vandalismus zeigt, wie wenig Achtung

manche Jugendliche vor Kunstwerken haben. Das ist in Italien anders, führte Dr. Storz aus.

Das Zurückdrängen gesellschaftswissenschaftlicher Bildung muss aufhören. Deutschland

braucht eine grundsätzliche Neuausrichtung der Bundeskulturpolitik.

Stefan Schiller; StadtbilDDresden

Unsere Anliegen

Die Bürgerinitiative tritt ein für den Erhalt der regionaltypischen Bauelemente. Dabei wird

davon ausgegangen, dass eine Vereinheitlichung der Architektur in Richtung beliebig

auswechselbarer Gebäude verhindert werden muss. Jede Region hat ihre eigene Prägung

und diese muss auch empfunden und berücksichtigt werden. Die Bürger haben ein gutes

Gefühl, was in ihre Umgebung passt und was nicht. Darauf ist viel mehr Rücksicht zu

nehmen von Architekten und Amtsträgern. Es wurde eine „Broschüre zur Dresdner

Regionaltypik“ herausgegeben.

Auch die Elemente der Stadtmöblierung wie Straßenbeleuchtung, Sitzmöbel, Brunnen,

Denkmäler und Werbeflächen sollten sich in ihrer Gestaltung in das Stadtbild einfügen.

Derzeit plant eine Immobilienholding einen Großbau an der Elbe. Dazu gibt es zu wenig

Kritik, denn oft steht eine Lobby hinter solchen Vorhaben. Das „Zentrum für Baukultur“,

angesiedelt im Kulturpalast und mit der Architektenkammer verbunden, sollte in diesem

Zusammenhang mit ihren Vorhaben deutlicher an die Öffentlichkeit treten und

Bürgerinitiativen beachten.

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Jürgen Borisch; Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) e.V.

Seit langer Zeit ist die GHND unermüdlich dabei, im Pavillon am Pirnaischen Platz den

Bürgern den Stand der Bebauung des Neumarktes zu erläutern. Es konnten schon

Planungen verhindert werden, welche keinen Bezug auf die Baugeschichte an diesem

einzigartigen Platz hatten. Allerdings werden von Großinvestoren die Möglichkeiten

ausgereizt, maximale Wohnflächen zu erzielen. So sollen demnächst 270 Wohnungen für 20

Mio. Euro in diesem Bereich gebaut werden.

Ein wichtiges Anliegen ist der GHND die Zusammenarbeit mit Schulen. Von 20 angefragten

Schulen haben bisher nur drei das Angebot für Workshops und Bastelarbeiten im Pavillon

angenommen.

Dresdner Kalamitäten: die historische Gaststätte „Ratskeller“ ist schon lange geschlossen,

der Fernsehturm nicht zugänglich und die Winkelmann-Ehrung zum 250.Todestag am 6.Juni

2018 wird hier fast übergangen.

Prof. Dr. Heinz Schwarzbach, Weimar;

Ein bedeutender Fehler unserer Zeit ist die Ausbildung der Amtsträger als Planer und nicht

als Gestalter. Erst seit 1975 bekam die Denkmalpflege in der DDR eine neue Wertigkeit.

In Weimar ist der jahrelange Kampf gegen die massive Bebauung des Schießhausgeländes

nur z.T. erfolgreich gewesen. Der damalige Bürgermeister Wolf ist abgewählt worden.

Peter Gzik; Stadtrat in Altenburg, Stadtforum Altenburg

Hier wurde auf das Engagement des Stadtforums für und die Schwierigkeiten bei der

Bewerbung Altenburgs zur 5. Thüringer Landesgartenschau 2024 eingegangen.

Dr. Rüdiger Wirth; Stadtforum Freiberg

Es wurde auf den im Netzwerkheft 2 besprochenen Anbau an das Bergbaumuseum

eingegangen und verschiedene andere Gestaltungen gezeigt. Das Landesamt für

Denkmalpflege Dresden verstärkt seine Einflussnahme auf den bisherigen Entwurf und es ist

fraglich, ob dieser zur Ausführung kommen kann.

Michael Backhaus; Stadtforum Chemnitz

Innerhalb eines Arbeitsauftrags für das Klinikum Chemnitz wurde die Gemeinde Drebach mit

ihren Krokuswiesen für Fotomotive ausgewählt. Mit viel Akribie hat der Berufsfotograf M.B.

dort seine Motive gesucht und die dörfliche typische Bauweise versucht festzuhalten. Dabei

wurden die Gefahren durch Neubauten erkannt, die nicht zum Ortsbild passen. Diese

Gefahren gibt es überall.

Die Gemeinden können Ortssatzungen erlassen, nach denen sich die Bauherren richten

müssen. Aber es wurde angemerkt, dass sich der Widerstand der Bauherren bemerkbar

macht, sodass Ortssatzungen zurückgenommen werden mussten, damit „frei“ gebaut

werden konnte.

Die Gemeinden werden also erpresst, um eine freie Bauweise zu erreichen. Ergebnis ist oft

die Störung des Ortsbildes.

Wolfram Günther; Stadtforum Leipzig / Leipziger Denkmalstiftung

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Das Stadtforum sieht in Leipzig in Bezug auf qualitätvolle Planung Handlungs- und

Gestaltungsbedarf am Leuschnerplatz, am Matthäikirchhof, bei der Öffnung des

Pleißemühlgrabens und bei der Bewahrung von Industriebauten und bringt sich hier ein. Die

Denkmalstiftung sieht die Notwendigkeit, dass sich unterschiedliche Akteure aus

Bürgerschaft, Verwaltung, Kultur und Wirtschaft zusammen engagieren, um Leerstände in

wertvollen Baudenkmalen anzugehen, die sich nicht durch Investorennachfrage allein

erledigen. Gegenwärtig initiiert und begleitet sie solche Prozesse lokal etwa in den Städten

Leisnig und Zeitz, städteübergreifend im Landkreis Mittelsachsen oder mit dem Arbeitskreis

sächsische Spinnmühlen.

Marcel Naumann; Arbeitskreis Innenstadt Halle;

Abriss des Raumflugplanetariums „Sigmund Jähn“

Sehr bedauerlich ist der kürzlich vollzogene Abriss dieses architektonisch hervorragenden

Planetariums (Architekt Klaus Dittrich, Planung Herbert Müller) auf der Peißnitzsinsel in

Halle. Die HP-Schalen (Hyperbolische Paraboloidschalen) wurden in den 1950er Jahren

durch Herbert Müller entwickelt. Das Saalehochwasser 2013 hat gezeigt, dass der Standort

für ein Planetarium ungeeignet ist. Nach Darstellung der halleschen Stadtverwaltung war nur

der Abriss und nicht die Sanierung und Umnutzung des Planetariums mit Mitteln aus dem

Fluthilfefonds förderfähig.

Der AKI engagiert sich weiter zusammen mit dem Schwemme e.V. für die Sanierung und

Wiederbelebung der Schwemme-Brauerei. Mittlerweile konnten umfangreiche Fördermittel

für die statische Instandsetzung eingeworben werden.

Matthias Böhm, Stadtrat in Zittau, Stadtforum Zittau;

Umgebindehäuser in der Lausitz/Abrisse in Zittau

Es gibt noch ca. 19000 Umgebindehäuser, auch bis zum Elbegebiet hin. Davon stehen 6000

unter Denkmalschutz. Es gibt die Stiftung Umgebindehäuser. Der Charakter des

Umgebindehausese: Die Blockstube im Untergeschoss ist ein slawisches Element, das

Obergeschoss mit Fachwerk ein fränkisches.

In Zittau sind fünf stadtbildprägende Häuser abgerissen worden. Drei Eckhäuser, zwei am

Bahnhof und eines an einer Haupteinfallstraße. Das ist ein „Schlag ins Gesicht“ für das

Stadtforum Zittau. Das Grundproblem ist das Stadtumbauprogramm Ost, wonach es nur für

Abrisse Fördermittel gibt – widersinnig!

Diskussionsrunde:

Thema 1: Wie kann man für die Jugend wirken?

Dr. Storz: Ein gutes Beispiel ist der Denkmal-Pfad, der vom Hans-Erlwein-Gymnasium

angelegt wurde im Rahmen der Initiative „denkmal-aktiv“.

M. Böhm: Die Idee der Wächterhäuser könnte Abrisse verhindern in Zittau, dazu bedarf es

aber der Unterstützung der Gemeinde.

Thema 2: Bildung eines Stadtforums Dresden

G. Rehn: Mir sind sechs Dresdener Bürgerinitiativen bekannt. Herr Dr. Storz hat sich bereit

erklärt, in seinen Räumen bei Bedarf eine Runde zusammenzubringen, die sich austauschen

kann und vielleicht ein übergreifendes Stadtforum bildet. Dieses würde vielleicht noch eher

gehört werden als Einzelgruppen. Die Meinungen und Ansichten innerhalb der Stadtforen

sind nicht immer homogen, sodass eine Vielfalt der Ansichten gewahrt bleibt.

Thema 3: Netzwerkmagazin

Eine dritte Ausgabe des STADTFORUMs soll erscheinen. Die Redaktion erfolgt wieder über

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Gert Rehn, Wolfram Günther und Marcel Naumann. Textvorschläge sollen bis spätestens

Ende Juli an die Redaktion geschickt werden. Der Arbeitskreis Innenstadt e.V. wird wieder

die Kosten für Druck und Layout vorschießen. Es wird weiterhin um Spenden gebeten!

Stadtrundgang mit Führung durch J. Borisch

Im Pavillon der GHND e.V. am Pirnaischen Platz wurde anhand eines kurzen Films die

Ausgangslage und die bisherige Bebauung am Neumarkt erläutert. Dabei konnte festgestellt

werden, dass Dank der Bürgerinitiative so manche unpassende Bebauung zurückgedrängt,

verworfen oder ersetzt werden konnte durch eine an das historische Vorbild angelehnte

Lösung. Der Rundgang führte dann durch die Straßenzüge zum Neumarkt vor die

Frauenkirche, wo man den aktuellen Stand der Rekonstruktion besichtigen konnte.

DIE AUSRICHTUNG DES NÄCHSTEN VERNETZUNGSTREFFENS ÜBERNIMMT DAS

STADTFORUM ALTENBURG. DAS TREFFEN SOLL AM 13. APRIL 2019 IN

ALTENBURG STATTFINDEN.