Nordtangente

Nordtangente – Nein ? Und was dann ?

Auch wenn wir selbst gar kein Auto fahren. Irgendwie sind wir alle mit dem Stadtverkehr verbunden. Mit Bus oder Bahn, dem Rad, im Taxi oder wenn wir Feuerwehr, Krankenwagen, Post und Müllabfuhr brauchen oder wir nur Einkaufen können, was vorher per Straße angeliefert wurde. Wir sind auf das Rückgrat der zwei Achsen mitten durch die Stadt angewiesen. Die funktionieren sogar recht und schlecht, wenn es denn gerade keine Störungen gibt. Alternativen ? Fehlanzeige! Wir ärgern uns dann im Chor über Staus, über nur einen leistungsfähigen Saaleübergang. Schimpfen über den Durchgangsverkehr (B80 /B 100), der nur aus sperrigen LKW besteht. Vor allem aber, dass auch wir bei fast jeder Fahrt durch die Innenstadt müssen, obwohl wir vielleicht vom Norden, Osten oder Süden eigentlich nur nach Neustadt oder von dort raus aus der Stadt wollen. Zusätzliche Brücken scheitern am Schutzstatus fast der gesamten  Saaleaue. Und da sind wir uns  wohl alle noch einig, es müsste sich etwas ändern.  Ein Verkehrsentwicklungsplan (VEP 25) der Stadt fehlt leider,  seit nunmehr 8 Jahren, unverständlich, kommt er nie? Dabei liegt es auf der Hand, dass  ein Umfahren der Innenstadt nötig wäre. Auf einem Ring um die City herum, aber innerhalb der Stadt und so kurz, dass der auch angenommen wird. Vorstellungen dazu liegen vor. Ein Ring, der den Verkehr außen abfängt und den umleitet, der gar nicht sein Ziel in der Innenstadt hat. Ist es realistisch, auf  eine Lösung durch die      A 143 zu hoffen, die den Verkehr erst von der Stadt weit weg nach Beidersee und dann auf der A 14 über 25 Km Umweg wieder zurück nach Peißen und zur  A 9 führt, wo viele hinwollen? Vielleicht kommen wir ja mal irgendwann einfach so per Mausklick und WLAN von der Frohen Zukunft nach Neustadt. Aber um das zu erleben, müssen wir uns für heute etwas einfallen lassen. Die Osttangente wäre der erste Abschnitt, erst als Teil eines Ringes würde sie ihre volle Wirkung entfalten. Nun hat die Stadt einmal  eine Variante zu einer Fortführung vorgestellt. Eine sich anschließende nördliche Querverbindung von der B 100 nach Lettin über die Saale. Zur Ab- bzw. Weiterleitung des Verkehrs von der B 100 und vom Norden nach Neustadt und von dort über  Rennbahnkreuz stadtauswärts. Auf einen Schlag wäre Schluss mit dem Durchgangsverkehr durch die Innenstadt, dazu mit  entscheiden- den Entlastungen für Trotha, Kröllwitz, Seeben, Frohe Zukunft, Tornau, Mötzlich. Und auch für alle an der Osttangente gelegenen Ortsteile  sowie Neustadt, Nietleben und Dölau im Westen. Interessiert das plötzlich nicht mehr in Halle? Zählen jetzt nur noch echte oder vermeintliche Veränderungen im eigenen, hautnahen Umfeld? Oder die Wahltaktik von Politikern?  Bedenken dort Wohnender? Aber ja, die  sind natürlich verständlich und auszuräumen. Dadurch, dass der dargestellte Korridor viele Varianten möglich macht.  Dass zum Beispiel eine endgültige Trasse stellenweise im Einschnitt und mit Flüsterasphalt geführt werden könnte, sodass Blick und Gehör fast kaum gestört würden. Dass  andere Varianten wieder andere Probleme hätten. Und dass schließlich alle räumlich  Betroffenen gleichzeitig die größten Nutznießer sein würden. Wird darauf schon gar nicht mehr hingehört? Ist das nichts? Und dass damit die Abgaswerte in der Paracelsusstraße endgültig eliminiert  würden, spielt das denn gar keine Rolle mehr? Sollten sich  nicht alle erst einmal richtig informieren, ehe sie sich  dem ausschließlichen Protest anschließen? Sollten die Hallenser,  speziell die Anwohner  nicht lieber hellwach mitarbeiten und sich einbringen, anstatt sich nur zu verweigern? Wenn wir vor Lösungen drängender Probleme immer gleich so kapitulieren, wegen eventuellen Veränderungen im eigenen Umfeld oder aus taktischen Gründen, dann bliebe alles wie bisher. Leben mit - und Ärgern über Staus, Abgaskonzentration, Durchgangsverkehr und  jede Fahrt immer wieder durch die Innenstadt. Wir brauchen Klarheit, was wir anstreben, jetzt, sonst sind  die Räume dafür verbaut, haben sich alle Wünsche sowieso für  immer erledigt.

 

Reiner Halle